Theater

Der 1960 geborene Wiener besuchte nach dem Gymnasium die Schauspielschule Krauss in Wien und wurde 1983 ans Burgtheater engagiert. Bis 1988 festes Engagement am Burgtheater Wien unter Achim Benning, sowie bei Claus Peymann. Seither freier Schauspieler und Sänger mit Engagements am Volkstheater Wien, Salzburger Landestheater, Stadttheater Klagenfurt, Stadttheater St. Pölten/NÖ, Theater Baden-Baden, Vereinigte Bühnen Bozen, Theater der Jugend/Wien, bei den Wiener Festwochen, Stadttheater Walfischgasse Wien, u. v. m. 1997-2014 im Ensemble der Komödienspiele Porcia in Kärnten.

Seit 2001 tritt er mit kabarettistischen Soloprogrammen auf und auch als Solist in diversen Orchesterwerken – als Chansonnier (Camerata Salzburg) und als Rezitator (WDR – Bigband Köln, RSO des SWR, Stuttgart)

2014 gründete er in Kärnten das THEATER-RAKETE


Soloprogramme

Dario Fo’s „Mistero Buffo“ – Kabarett aus dem Mittelalter

„Da die Szenen ursprünglich in lokalen italienischen Dialekten gespielt wurden, habe ich sie ins Österreichische übertragen, was der Sprache – gegenüber der hochdeutschen Verlagsübersetzung – eine große Lebendigkeit verleiht.“
(Marcus Thill)

„Kummts her do, Leutln, kummts ålle her, da Wurschtl is do! A Spielmann bin i, der tånzt und singt, der eich zum Låchen bringt und si lustig måcht üwa eichere Herr’n! Der eich zaagt, wia eitel und auf’blåsen die san, die bladen Hund’, die überall Kriag’ ånfången, wo mir nur de Schlåchtviecher san… schauts auf mei Zungen, wie die zuckt, wie scharf die is, wie a Messer!“ (aus der Szene „Die Geburt des Spielmannes)

Saftige, volksnahe Komik, beißende Satire, treffsichere Attacken gegen die Scheinheiligkeit in der Kirche, gegen die Heuchelei der Mächtigen im Staat, gegen die Doppelmoral und die Selbstgefälligkeit der so genannten „Volksvertreter“… das alles macht den Soloabend „Mistero Buffo“ zum zentralen Bühnenwerk des Nobelpreisträgers für Literatur, Dario Fo. Bei seiner Suche nach der Geschichte des Volkes, die im Kontrast zur Geschichtsschreibung der Herrschenden steht, stieß Dario Fo auf die künstlerischen Ausdrucksformen des „Mistero Buffo“. Im Mittelalter wurden Theaterstücke religiösen Inhalts öffentlich aufgeführt, die sogenannten „Mysterienspiele“. Im Volk wurden diese Mysterienspieleparodiert: Mistero Buffo – das Theater der einfachen, rechtlosen Bauern des Mittelalters.

„Mistero Buffo“ ist kein Drama mit durchgehender Handlung, sondern eine Auswahl verschiedener Spielszenen, wie zum Beispiel

„Die Hochzeit zu Kanaa“, wo ein Engel des Herrn und ein Besoffener miteinander wetteifern, wer dem Publikum die wahre Geschichte der Verwandlung von Wasser in Wein erzählen darf.

„Die Geburt des Leibeigenen“, der keine Seele hat, weil er nicht von einer Frau geboren wurde, sondern ein Esel ihn im Galopp verloren hat.

„Die Auferstehung des Lazarus“, ein Paradestück Fo’scher Komödiantik, wo zwar weder Jesus noch Lazarus zu sehen sind, dafür aber eine gaffende Menschenmenge, die auf den Friedhof gekommen ist um ein Wunder zu erleben. Hier schlüpft der Spielmann in 15 verschiedene Rollen.

„Bonifazius VIII.“ – in dieser Szene begegnet der Papst Bonifazius, prächtig gekleidet, in vollem Ornat, dem geschundenen und nackten Jesus auf dem Kreuzweg: „Wer? Wer ist das? Jesus? …? – Ach so, Christus, Jesus Christus! … Grüß Gott, Jesus, wie geht’s?“


Kabarett

Highlights des österreichischen Kabaretts von 1920 bis 1970, neu interpretiert von Dr. Emil Schöberl und Kapellmeister Stefan Heckel.

„Worüber lachen wir?“ – Während seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit zur Beantwortung dieser Frage entdeckte der Kabarettarchäologe Dr. Schöberl in Stadtbibliotheken, Privatsammlungen, Videotheken, Musikverlagen und neuerdings auch im Internet manch heimliches Juwel der „Kleinkunst“, manch verstecktes Kleinod von subtilem Humor, sowie Pointen voller Lebensweisheit, wie sie nur den höher entwickelten Formen des Humors zu eigen sind. Ein großes Reservoir an solchen Schätzen findet sich im Wiener jüdischen Kabarett; denn kaum ein Volk hat so viel Ironie und feinen Spott für seine eigenen Schwächen übrig wie das jüdische. Niemals zielt die Pointe auf Minderheiten oder sozial Schwache – der jüdische Witz gibt ungeniert die eigenen Schwächen der Lächerlichkeit Preis. Das macht seine Größe aus. Und seine Intelligenz.

Das Wiener Kabarett war bis 1939 vom jüdischen Humor geprägt, und nach dem Krieg fand dieses Genre mit seinen Künstlern, sofern sie den Holocaust überlebt hatten, bald wieder Einzug in den Kleinkunstbühnen der Stadt. Karl Farkas, Hermann Leopoldi, Gerhard Bronner, Georg Kreisler, Peter Wehle waren seine bekanntesten Vertreter. Zu den Opfern des Nationalsozialismus zählten geniale Humoristen wie Fritz Grünbaum, Fritz Löhner-Beda, Armin Berg oder Franz Engel. Nach 1945 ergänzten vor allem Gerhard Bronner, Georg Kreisler, Peter Wehle, Ernst Waldbrunn, Carl Merz und Helmut Qualtinger die Wiener Kabarettszene.

Im Sinne dieser Kabarettisten präsentiert Ihnen Dr. Emil Schöberl im Jazzclub Kammerlichtspiele ein paar seiner Gustostückerln, die Musik dazu kommt live vom Grazer Jazzpianisten Stefan Heckel.

Presse

Spaß mit dem Hund von Fräulein Zierlich – Marcus Thill spielt geistreiches Solo-Kabarett in Villach.

Als vielseitiger Komödiant zeigt sich Marcus Thill auch in seinem aktuellen Solo-Kabarett aus bewährten, sympathischen, mit leicht alt-österreichischem Flair belegten Sketches und Liedern. Auftakt ist jener Hotelportier, der in Ernst Waldbrunns legendärer Darstellung bekannt ist. Der soll Fräulein Zierlich des Hotels verweisen, weil sie mit Hund logiert. Bis er seine Haltung wendet, denn „ich hab mir ihren Hund durch den Kopf gehen lassen“. Immer liebenswerte Scherze hat Thill an diesem Abend in der neuenbuehnevillach auf Lager, da verwandelt sich beim Kreuzworträtsel das „nikotinhaltige Nachtschattengewächs“ in eine Bardame. Der Schauspieler serviert Gedichte von Fritz Grünbaum, Texte von Martin Loewe und Günther Fritsch (bekannt mit seinem „Bezirksgericht“)… Humor außerhalb des Faschings. Wer abseits der Faschingsitzungen unangestrengten Humor sucht, wird hier gut bedient.
(B. Einhauer, Kleine Zeitung)

Kabarettklassiker zum Lachen im Residenztheater Stockerau

… Marcus Thill schaffte es spielend diese Texte – ohne Modernisierung – in die heutige Zeit zu bringen. Ganz ohne Pathos und ohne die Pointen zu erzwingen spielte er diese Figuren, und das Publikum war restlos begeistert. Marcus Thill war Portier, Postbeamter, Seiltänzer, Strizzi und eitler Gockel. Er verblüffte als Verwandlungskünstler derart, dass man meinen könnte, eine ganze Schar von wunderbaren Kabarettisten diesmal im Residenztheater auftreten zu sehen…
(Niederösterreichische Nachrichten)
„Heiteres Autorenraten: So aberwitzig wie das Muster des Paravents, hinter dem sich Marcus Thill „umrüstet“, ist die Szenenwechsel-Musik, bei der er das tut…. – hinreißend gespielt übrigens, samt dialektaler Verzweiflung am Frohlocken…. Thill spielt die bunte Mischung munter, abwechslungsreich, ist auch musikalisch fit und braucht kaum Requisiten und Kostüme – außer als Artist, der als sein eigener Großvater Probleme der besonderen Art zu lösen hat…“
(F. Stank, Kronenzeitung)


Gypsy Nestroy

Marcus Thill als räsonierender, spitzfindiger Wortakrobat. Für den Gypsy-Sound sorgt der sensationelle Roma-Akkordeonist „Lole“ Vojkan.

„Gypsy Nestroy“ – das ist die unentwegte Geschichte…

… vom armen Teufel und von der millionistischen Fadesse…
… von der reinen Liebe und von der ewigen Treulosigkeit…
… von der „rohen Puszta des Weiberhasses“ und vom „Schmarren des Lebens“

Texte und Lieder aus 30 Stücken, sinnreich zusammengestellt zu einem Solostück: Nestroy pur, brennend vor Liebe und vor Liebe zur Freiheit, befreit von Spielhandlung und Biedermeierkostüm, losgelöst von Vorstadtkomödie und Volksunterhaltung. Was bleibt, sind die abgründigen philosophischen Betrachtungen und zynischen Analysen, die der Dichter jenen Figuren in den Mund gelegt hat, die er selbst auf der Bühne verkörperte. Nestroy richtet sich dabei immer direkt an die Zuschauer. In seinen oft komischen, oft bitteren Repliken gibt es viel zu entdecken!

Die Musik stammt von dem Roma-Akkordeonisten „Lole“ Vojkan: moderner, authentischer „Gypsy“ vom Balkan, Melodien aus Rumänien, Tanzrhythmen aus Serbien/Montenegro. Vojkan ist nicht nur ein sensationeller Virtuose auf seinem Instrument – vor allem verfügt er über die Gabe, mit seiner Musik die Menschen mitten ins Herz zu treffen, ihre Gefühlsebene voll zu erreichen. Nestroys Couplettexte in Verbindung mit dieser hinreißenden Musik führen zu einem ganz neuen Ergebnis – bittersüße Lieder voller Leidenschaft, wienerische Weltmusik…

Premiere war im November 2005 im Stadttheater Walfischgasse, Wien. Es folgten Auftritte beim „Rosenstolz“ – Wienerliederfestival, in Linz, in Kärnten und Deutschland.

„Satire von einst, glänzend geschrieben, hellsichtig und –hörig, noch nach anderthalb Jahrhunderten pointensicher. Auch Comedy-Qualitäten entfaltet sie ungebrochen und lässt das Gros heutiger Bühnen- und TV-Quatschereien weit hinter sich. Dieser Abend ist eine Wohltat für alle, die die Wiener Weinerlichkeit, die Heurigen-Heulereien und das Grinzinger Gegreine nicht ertragen können.“
Frankenpost

„Zwei unterschiedliche Künstler, zwei unterschiedliche Stile, zwei unterschiedliche Kulturen verschmelzen hier zu einer faszinierenden Einheit. Das ergibt eine ungeheuer reizvolle Mischung, denn die Couplets wirken dadurch viel sperriger, viel wilder, viel urtümlicher. Und viel heutiger.“
Wiener Zeitung

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